
Zimt
Die Verlockungen der Weihnachtszeit sind vielfältig und süß: Zimtsterne, Lebkuchen und Spekulatius verheißen winterliche Gaumenfreuden und spätestens im Frühjahr Probleme mit der Ideallinie. Aber nicht nur der Kaloriengehalt, sondern auch die übrigen Inhaltsstoffe von Weihnachtsgebäck lohnen einen näheren Blick - denn nicht alle Zutaten sind harmlos, vor allem in größeren Mengen genossen.
Eines der beliebtesten Weihnachtgewürze ist der Zimt - er findet sich nicht nur in den bekannten Zimtsternen, sondern verleiht auch Glühwein und Lebkuchen die weihnachtliche Note. Zimt erfreut sich aber nicht nur zu den Festtagen besonderer Beliebtheit: Zusammen mit Zucker streuen ihn viele gern über Milchreis und andere Süßspeisen. Auch einige Frühstücksflocken erhalten durch ihn ihren typischen Geschmack.
“Zimt kommt mittlerweile das ganze Jahr über auf den Tisch”, sagt Matthias Wolfsschmidt von der Verbraucherschutz-Organisation “foodwatch”. Das bereitet dem stellvertretenden Geschäftsführer Kopfzerbrechen, denn Zimt enthält neben vielen ätherischen Ölen häufig auch Cumarin. Diese Substanz wirkt in hohen Dosen leberschädigend. Wolfsschmidt rät Verbrauchern deshalb, maßvoll mit Zimt umzugehen. “Es geht nicht darum, Menschen die Lust auf Zimt zu verderben”, betont er. Das Gewürz sei schließlich schon seit mehreren tausend Jahren fester Bestandteil vieler Küchen. Verbraucher sollten sich aber der Risiken bewusst sein, die mit Cumarin verbunden sind.
Das sieht auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) in Berlin so - die Forschungsbehörde des Bundes erarbeitet Gutachten für Stoffe, die Menschen gefährlich werden können. Deshalb beschäftigten sich die Wissenschaftler dort auch mit Cumarin. Besonders hohe Cumarin-Werte fand das BfR im so genannten Cassia-Zimt. Diese Zimtsorte wird vor allem in China und Indonesien angebaut und ist billiger als der Ceylon-Zimt, der aus Sri Lanka stammt. Das Cumarin aus dem Cassia-Zimt gelangt allerdings nicht nur in Lebensmittel, sondern wird auch von der kosmetischen Industrie verarbeitet. So finden sich auch in einigen Seifen und Parfums hohe Cumarin-Konzentrationen.
Da Cumarin auch über die Haut aufgenommen wird, rät das BfR dazu, gerade in der Weihnachtszeit auf den Zimtkonsum zu achten, um die zulässige Gesamtmenge nicht zu überschreiten. So sollten Kleinkinder nicht mehr als vier Zimtsterne pro Tag essen, empfiehlt die Forschungsbehörde auf ihrer Homepage. Erwachsene können auch die doppelte Menge essen, ohne sich Sorgen zu machen. Wer gerne selbst Zimtsterne backen möchte, dem raten die Verbraucherschützer zu Ceylon-Zimt, auch wenn dieser etwas teurer ist als der Cassia-Zimt. Der Unterschied zwischen beiden Sorten ist allerdings häufig nicht auf Anhieb zu erkennen, vor allem wenn der Zimt schon gemahlen ist. Sicherheit bringt hier nur der Gang zurApotheke - der dort verkaufte Ceylon-Zimt ist garantiert authentisch.
Aber nicht nur bei Zimt sollten angehende Weihnachtsbäcker Vorsicht walten lassen. Auch ein anderes beliebtes Gewürz entfaltet in zu hoher Dosierung ungewollte Wirkungen - die Muskatnuss. Sie entfaltet ihr würziges Aroma vor allem in Lebkuchen. Weniger bekannt ist, dass schon vier Gramm Muskatnuss ausreichen können, um bei einem erwachsenen Menschen Vergiftungserscheinungen auszulösen. Diese Menge entspricht in etwa einer bis zwei ganzen Muskatnüssen.
Symptome einer Muskatnuss-Vergiftung sind Kopfschmerzen und Übelkeit. Auch über Rauschzustände und Halluzinationen wurde schon berichtet. Einige experimentierfreudige Drogenfreunde veranlasste dies zu gezielter Überdosierung von Muskatnuss, in der Hoffnung auf einen schnellen “Trip”. Durchgesetzt hat sich Muskatnuss als Droge aber nicht - in den überwiegenden Fällen endeten die Versuche wohl nicht im erhofften Delirium, sondern auf der Toilette.
Noch gefährlicher als Muskatnüsse sind Bittermandeln - sieben bis zehn Stück genügen, um ein Kind in Lebensgefahr zu bringen. Verantwortlich dafür ist die Blausäure, die bei der Verdauung von Bittermandeln entsteht. Für die Herstellung von Marzipan sind Bittermandeln aber unerlässlich - ihr Geschmack gibt der Mandelmasse erst die besondere Note. Vor gekauftem Marzipan muss sich deshalb aber kein Verbraucher fürchten: In der Bundes-Aromenverordnung ist die Höchstmenge an Blausäure festgelegt, die in Marzipan enthalten sein darf.
Nur wer selbst Marzipan herstellen möchte, sollte sich vor den Bittermandeln in Acht nehmen. Allerdings sind sie im freien Verkauf ohnehin nur noch schwer erhältlich. “Im Einzelhandel sind Bittermandeln kaum noch zu finden”, sagt Kristine Rotheiler vom Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Zu selten würden sie nachgefragt. Ein guter Ersatz für Bittermandeln ist aber Bittermandelöl, das garantiert blausäurefrei ist.
(ddp)
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